Trainer Daniel Weinheimer tritt nach der laufenden Drittliga-Saison zurück
Daniel Weinheimer hört als Trainer des Frauen-Handball-Drittligisten HSG St. Leon/Reilingen auf – allerdings erst nach der laufenden Saison, deren zweite Hälfte am Samstag, 10. Januar, 18 Uhr, mit einem Auswärtsspiel beim TSV Haunstetten beginnt.
„Eine Mannschaft braucht immer wieder neue Reize“, sagt der 42-Jährige zu den Gründen, nach der Spielzeit zurückzutreten. „Man muss sie fordern und herausfordern. Sie braucht auch den internen Wettkampf, um Bestleistungen zu erzielen. Als Trainer kann man das nur bis zu einem gewissen Punkt. Nach vier Jahren mit einem fast unveränderten Kader gehen diese Impulse irgendwann verloren – man kann die Spielerinnen nicht mehr richtig ,kitzeln‘.“
Die HSG habe keinen großen Umbruch erlebt, während dem „junge Spielerinnen von unten nachkamen und die Etablierten herausforderten, und auch nur wenige neue Spielerinnen. Deshalb glaube ich, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für etwas Neues gekommen ist“, betont Weinheimer. „Nach vier Jahren sind neue Impulse für das Team einfach wichtig.“
2022 begann der gebürtige Landauer als Trainer der HSG II, „weil ich etwas kürzer treten wollte. Ich hatte einen neuen Job angefangen und wollte meine B-Lizenz in Ruhe machen“. Dann kam es jedoch anders: Im Oktober 2022 übernahm Weinheimer nach dem Rücktritt des bisherigen Trainers Armin Merz die Drittliga-Frauenmannschaft des Vereins, die nach fünf Spieltagen noch ohne Sieg in der Tabelle stand. „So wurde aus ,kürzer treten‘ plötzlich Trainer der ersten und zweiten Mannschaft der HSG St. Leon/Reilingen'“, erzählt Weinheimer heute mit einem Schmunzeln.
Selbst hatte er bis dahin beim TV Ottersheim und TV Offenbach gespielt, beim TSV Steinsfurt die weibliche Jugend trainiert und als Spielertrainer bei den Männern agiert. Über den TSV Rot und die Kurpfalz-Bären kam er schließlich zur HSG St. Leon/Reilingen. „Als klar war, dass ich in Ketsch aufhöre, bekam ich ein paar Wochen später den Anruf vom damaligen Vorstand der HSG.“
Nun steht Daniel Weinheimer noch eine halbe Saison bevor, in der es um nichts anderes geht, als die Liga ein weiteres Mal zu halten – wenn möglich nicht auf den letzten Drücker wie in der vergangenen Saison. Wie es danach für ihn weitergeht, weiß der scheidende Trainer noch nicht. „Nein, aktuell gibt es keinen neuen Verein. Wenn sich etwas ergibt, worauf ich Lust habe und das mich reizt, mache ich es. Ich weiß, dass ich es ohne Handball vermutlich nicht lange aushalte – selbst wenn ich jetzt noch denke, dass eine Pause gelegen kommt.“
Dem Vorstand der HSG habe er seine Entscheidung zeitnah mitgeteilt, erzählt Weinheimer. Seine Spielerinnen hätten mit seinem Rücktritt zum Saisonende augenscheinlich nicht gerechnet. „Die Überraschung war ihnen ins Gesicht geschrieben und für einen Moment war es ganz still. Man hat gemerkt, dass die Nachricht bei jeder erst einmal ankommen musste.“
Weinheimer blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. „Es war eine anstrengende Zeit, jedes Jahr gegen den Abstieg zu spielen, aber auch eine schöne. Ich glaube, die Mädels wussten relativ schnell, wie ich ticke und was ich von ihnen erwarte. Mir war wichtig, dem Team Stabilität, Orientierung und Selbstvertrauen zu geben – gerade in einer sportlich sehr anspruchsvollen 3. Liga und in schwierigen Phasen mit Rückschlägen, Verletzungen und engen Spielen.“
Die eine oder andere Handballerinnen noch ein Stück weiterzubringen, ihnen zu helfen, ein „klareres Selbstverständnis und mehr Fokus zu entwickeln“ und vor allem das Zusammenwachsen des Teams zu fördern, seien ihm wichtig gewesen. „Vor allem aber ist es uns gelungen, als Team Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Lösungen zu finden. Dieser Teamgeist hat uns letztlich auch die vergangenen drei Jahre den Klassenerhalt ermöglicht und wird es auch das vierte Jahr tun. Das bedeutet mir persönlich sehr viel“, unterstreicht Weinheimer.
Zum angekündigten Abschied plaudert Daniel Weinheimer aus dem Nähkästchen: „Bei Auswärtsfahrten ist eines immer klar: Wer fürs Essen nach dem Spiel zuständig war, durfte bloß nicht mit vegetarischen Ideen ankommen. Sobald die Worte ,Gemüse‘ oder ,Salat‘ fielen, war die Stimmung im Keller – inklusive skeptischer Blicke und der obligatorischen Frage ,Und wo ist da das Fleisch?’“
Hinzu sei der „Hunger nach Gossip“ gekommen. „Nach jeder Party oder jedem Training wurde nach Neuigkeiten gefragt… Und im Training wusste außerdem jede sofort, was gemeint war, wenn es hieß ,Zieht euch ’nen Latz an!‘ ,Leibchen?‘ Brauchte hier keine – das Wort wurde aus unserem Wortschatz gestrichen.“
Zum Abschluss des Jahres blickt Weinheimer gerne auf die Highlights seiner bisherigen Zeit zurück, nennt aber eigentlich nur einen: „Der Klassenerhalt am letzten Spieltag vergangene Saison vor voller Halle war definitiv einer der tollsten Höhepunkte. Außerdem bleibt mir das starke Teamgefühl und der Zusammenhalt besonders in Erinnerung.“
Der restliche Spielplan im Überblick:
Sa., 10. Januar, 18 Uhr: TSV Haunstetten – HSG St. Leon/Reilingen
Sa., 17. Januar, 19.30 Uhr: Sportverein Allensbach – HSG St. Leon/Reilingen
So., 25. Januar, 16.30 Uhr: HSG St. Leon/Reilingen – Kurpfalz Bären
So., 1. Februar, 17 Uhr: HSG St. Leon/Reilingen – SG Schozach-Bottwartal
So., 8. Februar, 15.30 Uhr: SG Kappelwindeck/Steinbach – HSG St. Leon/Reilingen
So., 22. Februar, 17 Uhr: HC Erlangen – HSG St. Leon/Reilingen
So., 1. März, 16.30 Uhr: HSG St. Leon/Reilingen – HCD Gröbenzell
So., 8. März, 16.30 Uhr: HSG St. Leon/Reilingen – TSG Friesenheim
Sa., 21. März, 19.30 Uhr: TuS Schutterwald – HSG St. Leon/Reilingen
So., 29. März, 15 Uhr: HSG St. Leon/Reilingen – TSV Ismaning
So., 12. April, 16 Uhr: TSV Wolfschlugen – HSG St. Leon/Reilingen
Sa., 18. April, 18 Uhr: HSG St. Leon/Reilingen – TSV Haunstetten
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